Orgelmusik in Altötting - zur Startseite

 

Informationen zu Kirche und Orgeln
Stiftskirche St. Philippus und Jakobus

Vor der heutigen spätgotischen Hallenkirche standen an gleicher Stelle eine karolingische Pfalzbasilika, gefolgt von einer größeren ottonischen Basilika (um 1000 erbaut) und einer 1244 unter Verwendung von Teilen der Vorgängerkirche geweihten romanischen Basilika. Die Bauarbeiten zur heutigen spätgotischen Kirche begannen am Ende des 15. Jahrhunderts, die Weihe erfolgte 1511.

Der älteste Nachweis erwähnt 1483 eine Orgel in der Stiftskirche. 1508/09 ist -während des Baus der gotischen Kirche- der Bau einer Orgel (erhöht an der Nordwand) durch C. Thaler aus Wasserburg belegt. 1539 wird ein weiterer Orgelneubau von Hans Schächinger aus Schwaz erwähnt. Bei der Innenraumumgestaltung 1618/19 ist von einer weiteren kleine Orgel an der Südwand die Rede, die Schächinger-Orgel wird auf einer eigens gebauten Empore an der Nordwand aufgestellt. Nach einer Renovierung beider Orgeln „auf... niterlendische formb“ durch Balthasar Neuwirth aus Wasserburg wurde die Orgel von der Nordwand 1665 auf die Westempore verlegt, wo auch heute die Hauptorgel steht. Hierbei entsteht ein neuer Prospekt - anzunehmen ist, daß zumindest ein Teil des Orgelwerks weiterverwendet wurde.

1724 wird wiederum ein Neubau der großen Orgel erforderlich, der mit 32 Registern auf zwei Manualen und Pedal von Johann Fux aus Donauwörth ausgeführt wird. Hierfür wird die Empore vergrößert und der Prospekt erweitert (wohl seitliche 16´- Pfeifenfelder) - den Entwurf hierfür liefert der Altöttinger Maler Johann Philipp Löderer. Die kleine Orgel wird 1793 nach Perach verkauft, sodaß nach dem völligen Neubau der Hauptorgel 1903/04 durch Martin Hechenberger aus Passau (II/ 29) auf pneumatischen Kegelladen kein barocker Registerbestand mehr vorhanden ist.

Erst 1919 erhielt der Orgelprospekt die heutige Fassung mit einer Marmorierung in Rot- und Blautönen, ursprünglich war der Prospekt in Gold mit brauner Lasur gefaßt. 1959 wurde die Orgel durch die Mößlinger Firma Wastlhuber umgebaut (elektro-pneumatische Kegelladen) und um ein 3. Manual erweitert (nachdem schon 1942 einige kleinere Umbauten stattfanden und von 1949 Pläne zu einer Erweiterung vorliegen). Der Spieltisch bekam freistehend seitlich auf der Empore seinen Platz. Viele Register der Hechenberger-Orgel blieben erhalten, die durch Holzwurm beschädigten Holzregister wurden in ähnlicher Art erneuert. Klanglich vermochte diese Orgelanlage den Kirchenraum nicht zu füllen. Durch vermehrte Reparaturen und die Ungenauigkeit der Traktur veranlaßt, dachte man seit den 80er Jahren über eine Neugestaltung der Orgel nach, die dann mit der neuen Jann-Orgel verwirklicht wurde.

 

Disposition der Orgeln in der Stiftspfarrkirche Altötting
   
Hauptorgel 2000 von Fa. Thomas Jann, Allkofen
   
Pedal (C-f´)
Untersatz 32´
Principal 16´
Violon 16´
Subbaß 16´
Octav
Gemshorn
Octav
Hintersatz 4f. 2 2/3´
Posaune 16´
Trompete
III-P4´ III-P II-P I-P
Hauptwerk (I, C-a´´´)
Principal 16´
Principal
Gamba
Flauto
Octav
Holzflöte
Quint 2 2/3´
Superoctav
Mixtur major 4f.
Mixtur minor 2-3f.
Cornett 5f. 8´ ab g
Trompete 16´
Trompete
Tremulant  
III-I III-I16´ II-I III-I4´
Positiv (II, C-a´´´)
Prinzipal
Gedackt
Praestant
Blockflöte
Quint 2 2/3´
Waldflöte
Terz 1 3/5´
Quint 1 1/3´
Mixtur 4f. 1 1/3´
Krummhorn
Glockenspiel (vorgesehen)
Tremulant  
III-II III-II4´  
Zymbelstern  
Schwellwerk (III, C-a´´´ )
Bourdon 16´
Principal
Salicional
Soloflöte
Rohrflöte
Vox celeste 8´ ab c
Traversflöte
Fugara
Quint 2 2/3´
Piccolo
Terz 1 3/5´
Mixtur 5-6f.
Fagott 16´
Trompette harmonique
Oboe
Clairon harmonique
Tremulant  
III16´ III4´  

49 klingende Register, Crescendo-Walze, 3 Einstellungen, Setzeranlage mit Sequenzer (4mal 512 Komb., davon 3 absperrbar) Chororgel an/ III-I elektrisch

Fotos

 

 

 
Chororgel
aus Registern der Hechenberger- Orgel von 1903, von Fa. Jann restauriert u. hinter dem Hochaltar eingebaut
   
Pedal (C-f´)
Subbaß 16´
Quinte 10 2/3´
Prinzipal
Baßflöte
Cello
Choralbaß
Oktavino
Posaune 16´
SubII-I Sup.II-I II-P I-P II-I
I. Man. HW (C-a´´´)
Bourdon 16´
Prinzipal
Gemshorn
Gedackt
Oktave
Rohrflöte
Nasard 2 2/3´
Oktave
Cornett 3f. 2 2/3´
Mixtur 4f. 1 1/3´
Trompete
II. Man. OW (C-a´´´)
Geigenprinzipal
Liebl. Gedackt
Salicional
Vox coelestis 8´ ab c
Ital. Prinzipal
Traversflöte
Piccolo
Quinte 1 1/3´
Mixtur 4f.
Oboe
Tremulant  
Röhrenglocken (vorgesehen)

29 klingende Register, elektropneumat. Kegelladen, spielbar von I,II,P. der Hauptorgel oder vom fahrbarem Spieltisch im Chorraum: 3 Manuale (Koppelmanual), Setzeranlage (16 Komb.), Crescendo-Walze

Fotos

 

Gedanken zur Planung der neuen Stiftskirchen-Orgel

Die neue Stiftskirchenorgel sollte ihrer Aufgabe als Instrument zur Führung und Begleitung des Gemeindegesangs und zur Ausgestaltung der unterschiedlichen Gottesdienste möglichst farben- und nuancenreich gerecht werden und als modernes, in sich geschlossenes Instrument die Interpretation eines möglichst großen Bereichs der Orgelmusik ermöglichen. Daher fiel die Wahl auf ein Konzept, das in klassischer Tradition steht und die Vorzüge des Orgelbaus verschiedener Jahrhunderte aufgreift. Der schwungvolle barocke Orgelprospekt von 1724/25 legte nahe, sich in einigen Punkten von der süddeutsch-barocken Fux-Orgel inspirieren zu lassen: So enthält das Hauptwerk einen gut ausgebauten, zeichnenden Prinzipalchor, weiche Holzflöten und eine Gamba, das Positiv einen korrespondierenden Prinzipal- und Flötenchor.

Zutaten sind die flötigen Aliquoten 2 2/3´ und 1 3/5´ im Positiv und die Zungenregister in beiden Manualen, die auch das Spiel mittel- und norddeutscher bzw. französischer Barockmusik ermöglichen. Eine sensible mechanische Spieltraktur zu differenzierter Anschlagsgestaltung, mechanische Koppeln und Windladen mit Tonkanzellen und Registerschleifen (Schleifladen) sind auch Vorzüge des barocken Orgelbaus, auf die man sich heute wieder gern zurückbesinnt. Durch die gleichstufig temperierte Stimmung und die Art der Mensuration und Intonation lassen sich die Register von Hauptwerk und Positiv mit den Klangfarben des romantisch disponierten großen Schwellwerks gut mischen: Besonders plastische Solostimmen wie die mehrfach überblasende Flöte 8´ (und der überblasende Flötenchor 4´ 2 2/3´ 2´ 1 3/5´), die hochromantischen Streicher und charakteristischen, französischen Zungen geben der Orgel zusätzlich einen besonderen Ausdrucksreichtum. Im Pedal ist mit dem Untersatz 32´, einem bis zur Klangkrone ausgebauten Prinzipalchor, Streichern und zwei Zungenregistern genug klangliche Grundlage und Zeichnungsfähigkeit verfügbar.

Die guten alten Register der Vorgängerorgel, die fast alle auf das Jahr 1903 zurückgehen (Orgel von Martin Hechenberger, Passau), wurden als eigenständige Chororgel auf restaurierten elektropneumatischen Kegelladen hinter dem Hochaltar eingebaut und konnten so erhalten werden. Diese romantische Orgel kann von einem Spieltisch im Chorraum der Stiftskirche oder vom Spieltisch der großen Orgel (als Fernorgel) gespielt werden.

Elektrische Registertraktur in beiden Orgeln ermöglichte den Einbau verschiedener Spiel- und Registrierhilfen wie z.B. Crescendowalze und Setzer-Kombinationen. Die insgesamt 78 klingenden Register dieser Orgelanlage bieten einen fast unbegrenzten Reichtum an Klangfarben und Kombinationsmöglichkeiten, besonders da beide Instrumente im Kirchenschiff zu einem beeindruckenden Raumklang verschmelzen. Durch den klassisch-barocken Akzent der Hauptorgel, bereichert durch das große romantische Schwellwerk und die spätromantische Chororgel aus dem 20. Jahrhundert ergibt sich eine große stilistische Vielseitigkeit dieser Orgelanlage.

(Ludwig Ruckdeschel)

Disposition: Thomas Jann, Ludwig Ruckdeschel, Hans Leitner
Intonation: Andreas Utz und Peter Anton
Planung und Technik: Thomas Jann, Alexander Leipold

Pfeifenzahlen: Hauptorgel: 3 473 Chororgel: 1 632 gesamt: 5 105

 

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